Mehr Bewerbungen, weniger Passung: Ein Widerspruch?

Viele Geschäftsführer in der Versicherungsbranche haben aktuell das Gefühl, dass der Arbeitsmarkt leer ist. Stellen werden ausgeschrieben, es kommen (nicht immer) Rückmeldungen, manchmal meldet sich nur ein einziger Interessent, manchmal auch niemand. Selbst wenn Gespräche stattfinden, bleibt am Ende oft der Eindruck, dass kaum jemand wirklich passt oder sich ernsthaft binden möchte.

Gleichzeitig zeigen Auswertungen aus der Branche, dass auf einzelne Stellen heute mehr Bewerbungen eingehen als noch vor einigen Jahren. Diese beiden Wahrnehmungen wirken widersprüchlich, lassen sich aber erklären, wenn man genauer hinschaut.


Warum Bewerbungen heute etwas völlig anderes sind als früher

Ein zentraler Grund liegt darin, dass sich das Bewerben selbst stark verändert hat. Früher war eine Bewerbung ein bewusster Schritt. Man musste Unterlagen vorbereiten, Texte schreiben, zum Fotografen gehen und Bewerbungs­mappen kaufen, um die eigenen Unterlagen ordentlich zu präsentieren. Das kostete Zeit, Geld und Überwindung.

Allein dieser Aufwand sorgte dafür, dass man sich sehr genau überlegt hat, ob man sich wirklich bewerben möchte und ob die Stelle wirklich passt. (Anmerkung des Autors: Es sei denn, du hast es so gemacht wie ich: Ein außergewöhnliches Bewerbungsschreiben sechzigmal mit der Schreibmaschine getippt und ohne Anlagen als Brief an alle Regionaldirektionen in der Umgebung geschickt. Hat super funktioniert.)

Heute ist das anders. In vielen Fällen reicht ein Klick auf einer Jobplattform oder in einem sozialen Netzwerk. Der Lebenslauf ist gespeichert, das Profil liegt bereit, und die Hürde ist sehr niedrig. Das macht Bewerben einfacher, führt aber auch dazu, dass viele Bewerbungen schneller, unüberlegter und häufiger abgeschickt werden.

(Wir versuchen, das dadurch in den Griff zu bekommen, indem wir in unseren JobStories sehr detailliert auf das Unternehmen, die Tätigkeit und das Profil eingehen.)


Mehr Bewerbungen – aber nicht mehr passende Bewerber

Das Ergebnis ist eindeutig. Es gibt heute mehr Bewerbungen, aber nicht mehr Menschen. Häufig sind es dieselben Personen, die sich parallel auf viele Stellen bewerben, manchmal aus Unsicherheit, manchmal aus Frust und manchmal einfach, weil es so leicht geworden ist.

Dadurch steigt die Zahl der Bewerbungen, während die Zahl der wirklich passenden Kandidaten eher sinkt. Darauf weisen auch Auswertungen des Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen hin, wenn von deutlich mehr Bewerbungen pro Stelle gesprochen wird, gleichzeitig aber lange Besetzungszeiten genannt werden.


Bewerber unterscheiden sehr genau zwischen Arbeitgebertypen

Ein weiterer Punkt wird im Alltag oft unterschätzt. Bewerber unterscheiden sehr genau zwischen verschiedenen Arten von Arbeitgebern innerhalb der Versicherungsbranche. Für viele Geschäftsführer ist das nicht sofort sichtbar, spielt im Kopf der Bewerber aber eine entscheidende Rolle.

Grob lassen sich drei Arbeitgebertypen unterscheiden: Versicherungsgesellschaften, Maklerpools und Dienstleister sowie Vermittlerbetriebe.


Warum Versicherungsgesellschaften im Vorteil sind

Versicherungsgesellschaften werden von vielen Bewerbern als sicher, stabil und gut organisiert wahrgenommen. Bekannte Namen, klare Strukturen, Tarifverträge und geregelte Arbeitszeiten geben Orientierung. In den letzten Jahren kommen zunehmend großzügige Home-Office- und Remote-Regelungen hinzu, die viel Flexibilität versprechen.

Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen (Januar 2026) wirkt diese Kombination sehr anziehend. Wer über einen Wechsel nachdenkt, schaut häufig zuerst in diese Richtung, selbst wenn der aktuelle Job nicht mehr richtig zufrieden macht.


Maklerpools und Dienstleister als attraktive Zwischenwelt

Maklerpools und spezialisierte Dienstleister gelten oft als fachlich spannend, modern und professionell aufgestellt. Sie sprechen Menschen an, die sich spezialisieren möchten, Prozesse mögen oder gerne im Hintergrund Verantwortung übernehmen.

Auch hier gibt es häufig flexiblere Arbeitsmodelle als im klassischen Vermittlerbetrieb. Zwar gibt es dazu kaum harte Zahlen, doch in der Wahrnehmung vieler Bewerber sind diese Arbeitgeber eine attraktive Alternative zwischen Konzern und Vermittlerwelt.


Warum Vermittlerbetriebe im Recruiting besonders unter Druck stehen

Am schwierigsten ist die Situation häufig für Vermittlerbetriebe. Aus vielen Gesprächen mit Geschäftsführern und Agenturleitern höre ich immer wieder, dass Bewerbungen auf Stellenangebote sehr zäh sind. Anzeigen laufen, man wartet, manchmal kommt eine Rückfrage, manchmal gar nichts, und wenn sich jemand meldet, passt es oft nicht richtig. Das ist natürlich nicht immer der Fall.

Dazu gibt es kaum offizielle Statistiken, die Vermittlerbetriebe sauber getrennt auswerten. Es handelt sich also vor allem um eine breite, wiederkehrende Praxiserfahrung.

Der Grund liegt meist nicht in der Qualität der Betriebe, sondern in ihrer Wahrnehmung. Viele Bewerber verbinden Vermittlerbetriebe mit Unsicherheit, Verkaufsdruck, kleinen Teams und wenig Struktur. Oft ist nicht klar, wie sicher das Einkommen ist, wie der Arbeitsalltag aussieht oder ob es feste Prozesse und Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Jedes Stellenangebot ist ein Einzelstück. Eine individuelle JobStory und Geduld helfen, den regionalen, fachlichen und persönlichen Anforderungen entgegen zu kommen.


Der stille Wettbewerbsfaktor: Vergleich unterschiedlicher Welten

Dazu kommt die direkte Konkurrenz im Arbeitsmarkt. Ein Bewerber vergleicht heute nicht nur mehrere Stellenanzeigen, sondern oft mehrere sehr unterschiedliche Welten.

Auf der einen Seite steht ein Versicherer mit bekanntem Namen, klaren Rahmenbedingungen und flexiblen Arbeitsmodellen. Auf der anderen Seite steht ein regionaler Vermittlerbetrieb, in dem mobiles Arbeiten oder dauerhaftes Home-Office seltener möglich ist oder zumindest nicht klar kommuniziert wird.

Für viele Bewerber fühlt sich der Wechsel dorthin wie ein größeres Risiko an, manchmal sogar wie ein Rückschritt, selbst wenn die Arbeit fachlich interessant und menschlich oft besser wäre. Remote spielt für Kandidaten eine zunehmende Rolle. Kaum noch Nachrichten von Kandidaten, in denen das Wort ‚Remote‘ nicht vorkommt.


Warum gute Fachkräfte zögern, zu wechseln

Gut qualifizierte Fachkräfte sitzen heute häufig fest im Job. Sie verdienen ordentlich, haben Sicherheit und wissen, was sie an ihrem aktuellen Arbeitgeber haben. Sie haben sich auch mit den Unzulänglichkeiten des Arbeitgebers arrangiert. Wenn sie wechseln, dann nur, wenn sie sehr klar verstehen, was sie gewinnen und was sie nicht verlieren.

Viele sind grundsätzlich offen, reagieren aber erst spät oder nur dann, wenn sie sich wirklich angesprochen fühlen.


Das eigentliche Problem im Recruiting

So entsteht die widersprüchliche Wahrnehmung im Recruiting. Auf dem Papier gibt es Bewerbungen, im Alltag fühlt es sich trotzdem nach Mangel an. Versicherer und größere Organisationen ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, während Vermittlerbetriebe deutlich mehr erklären, Vertrauen aufbauen und Orientierung geben müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Das eigentliche Problem ist deshalb nicht die Sichtbarkeit, sondern die Einordnung. Das erreichen Vermittlerbetriebe durch individuelle und ausführliche JobStories, die sich konsequent auf den passenden Kandidaten fokussieren und Orientierung geben. Bewerber müssen verstehen, was ein Vermittlerbetrieb heute wirklich ist, wie professionell er arbeitet, wie sicher der Arbeitsplatz ist und welche Rolle sie dort spielen können. Das erreichen Vermittlerbetriebe durch individuelle und ausführliche JobStories, die sich radikal auf den passenden Kandidaten fokussieren.

Wo diese Klarheit fehlt, bleiben Rückmeldungen aus. Wo sie gut hergestellt wird, kommen weniger Bewerbungen, dafür aber deutlich passendere.


Fazit: Vermittlerbetriebe konkurrieren um Vertrauen, nicht um Klicks

So erklärt sich, warum sich der Arbeitsmarkt gerade für Vermittlerbetriebe besonders eng anfühlt. Sie konkurrieren nicht nur um Menschen, sondern um Vertrauen.

Wer das erkennt und seine Stellen nicht nur veröffentlicht, sondern erklärt, verbessert seine Chancen deutlich. Nicht durch Masse, sondern durch Verständlichkeit, Sicherheit und Passung.

Wenn Sie Stellen nicht einfach veröffentlichen, sondern wirklich besetzen wollen, sprechen Sie mit uns.


 

Häufige Fragen zum Recruiting in der Versicherungsbranche

Warum gibt es heute mehr Bewerbungen, aber weniger passende Bewerber?

Weil Bewerben sehr einfach geworden ist. Viele Menschen bewerben sich parallel auf mehrere Stellen, ohne sich bewusst zu entscheiden. Die Zahl der Bewerbungen steigt, die Passung sinkt.

Warum haben Vermittlerbetriebe im Recruiting größere Probleme als Versicherer?

Weil Vermittlerbetriebe von Bewerbern oft als unsicherer wahrgenommen werden. Geringere Bekanntheit, weniger Homeoffice und unklare Strukturen erhöhen die mentale Hürde, überhaupt Kontakt aufzunehmen.

Was vergleichen Bewerber heute bei der Jobsuche?

Bewerber vergleichen nicht nur Stellenanzeigen, sondern ganze Arbeitswelten. Sicherheit, Flexibilität, Remote-Möglichkeiten und das Bild des Arbeitgebers spielen eine große Rolle.